Josephs politische Ambitionen

Der Film erklärt an keiner Stelle, warum die Gemeinschaften um Nauvoo herum so gegen die Mormonen waren. Die Spannungen scheinen einfach eine Ausweitung der scheinbar sinnlosen Verfolgung der Mormonen die Jahre hindurch zu sein.

Tausende Mormonen strömten aber nach Nauvoo, was ihnen ungeheure politische Macht und die Fähigkeit zu geben drohte, örtliche Wahlen zu beeinflussen. Robert S. Wicks und Fred R. Foister bemerkten:

Mit zehn- bis zwölftausend Einwohnern war 1843 Nauvoo die zweitgrößte Stadt in Illinois, die nur von Chicago übertroffen wurde. Die Heilige Stadt, wie sie oft genannt wurde, beherrschte die Wirtschaft der Region (Junius & Joseph, S. 22)

Auch hatte Smith während der frühen 1840er heimlich eine Anzahl neuer Lehren und Praktiken eingeführt. Neben der Einführung der Vielehe richtete er heimlich den Rat der Fünfzig ein, eine geheime Regierungskörperschaft, die ein Vorläufer seines Planes war, eine Theokratie aufzurichten, das buchstäbliche Reich Gottes auf Erden.

Als Smith die Nauvoo-Legion schuf, mit sich selbst als „Lieutenant General“, bekam die nichtmormonische Gesellschaft Angst vor der militärischen Stellung der Mormonen. Am 21. Juli 1841 berichtete der Warsaw Signal:

Wie militärisch sind diese Leute doch geworden! Alles, was sie sagen oder tun, scheint den Geist militärischer Taktiken zu atmen. Ihr Prophet erscheint bei allen Gelegenheiten in seiner schillernden Regimentskleidung, kennzeichnet seinen Namen mit Lieut. General, und man findet in der Nauvoo-Legion mehr Titel als irgendein Buch über militärische Taktiken hervorbringen kann;… wahrhaftes Kämpfen muss ein Teil des Glaubens dieser Heiligen sein! (Warsaw Signal, July 21, 1841)

D. Michael Quinn bemerkte, dass

die Nauvoo-Legion keine gewöhnliche Miliz war. Um 1842 hatte die Legion 2000 Truppen, bei Weitem die größte Milizeinheit in Illinois. Innerhalb von zwei Jahren hatte die Nauvoo-Legion fast 3000 (Berufs-)Soldaten. Im Vergleich dazu hatte die U.S.-Armee in jenem Jahr weniger als 8500 Soldaten. (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, S. 106)

Außerdem neigten die Mormonen dazu, als Block abzustimmen. Thomas Ford, Gouverneur von Illinois von 1842-1846, machte folgende Bemerkungen:

Aber die große Ursache für die Wut des Volkes war, dass die Mormonen bei etlichen vorhergehenden Wahlen ihre Stimme als eine Einheit abgegeben hatten und machten damit die Tatsache offenbar, dass niemand die Ehren oder Ämter des Landes innerhalb ihres Einflussgebietes ohne ihre Billigung und Stimme annehmen konnte…

Dieses eine Prinzip und ihre Praktik ließ alle Anwärter auf ein Amt, die sich ihrer Unterstützung nicht sicher waren, in tödlicher Feindschaft gegen sie aufbieten, all jene, die bei Wahlen erfolglos gewesen sind, und alle, die zu stolz waren, ihren Einfluss gerichtlich mit all ihren Freunden und Verbindungen geltend zu machen. (History of Illinois, von Thomas Ford, 1854, S. 329-330)

Ferner hatte sich Smith entschieden, als Präsident der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Gouverneur Ford kommentierte:

Um der ganzen Torheit der Mormonen die Krone aufzusetzen, rief er sich im Frühjahr 1844 als Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten aus. Seine Anhänger waren zuversichtlich, dass er gewählt werden würde. Zwei- oder dreitausend Missionare wurden sofort ausgesandt, ihre Religion zu predigen und Wahlpropaganda zu Gunsten ihres Propheten für die Präsidentschaft zu machen. Diese Torheit machte dieses Volk in den Köpfen aller vernünftigen Menschen lächerlich und brachte sie in Konflikt mit den Eiferern und Frömmlern aller politischen Parteien, während die Überheblichkeit und Überspanntheit ihrer religiösen Anmaßungen schon den Widerstand aller religiösen Bekenntnisse hervorgerufen hatte. (History of Illinois, S. 321)

Robert S. Wicks und Fred R. Foister geben folgende Einschätzung über Smiths Versuch, Präsident zu werden:

Für den achtunddreißigjährigen Propheten Joseph war die Amerikanische Präsidentschaft nur der Anfang. Seine öffentlich erklärte Motivation, nach dem Präsidentenstuhl zu trachten, war, den Ausgleich der Verluste an Leben, Land und Eigentum  der Heiligen während der Verfolgung in Missouri und ihrer nachfolgenden Vertreibung aus dem Staat zu erleichtern. Seine private Vision (die anfänglich nur einem erwählten, inneren Kreis von Vertrauten bekannt gemacht wurde) war sogar noch ehrgeiziger. Er prophezeite die Übernahme der Regierung der Vereinigten Staaten während seiner Lebenszeit und verkündete, dass sein politisches Reich Gottes zu guter Letzt alle irdischen Regierungen in Erfüllung der alttestamentarischen Prophezeiung unterwerfen würde. Smiths doppelte politische Agendas wurden von einem geheimen Rat der Fünfzig verwaltet, der als Kern einer neuen Weltregierung gegründet war… für Josephs Gegner bedeutete die Aussicht auf eine Verschmelzung von Staat und Kirche in Amerika ein Schrecken und es war unakzeptabel, eine Verwerfung eines Ecksteins der Verfassung. (Junius & Joseph, S. 1)

Da die Gesellschaft schon außer sich war, weil die Mormonen eine Miliz hatten und als Block wählten, vergrößerte es die Besorgnis des Volkes, als Smith die politische Arena betrat.

 
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